Rechtsanwalt Wolfgang Riedel
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OLG Hamm, Urteil vom 12.12.2001, 3 U 119/00, Schmerzensgeld 125.000 EUR

 

Die 30 jährige Klägerin ertastete erst in ihrer rechten, dann in ihren linken Brust verdächtige Knoten. Die zunächst seitens der Frauenärztin erhobenen Befundmaßnahmen der Mammographie, Röntgenthorax und Sonographie ergaben keinen Brustkrebs - Befund. Zur weiteren Abklärung wurde eine Gewebeprobe entnommen, die von einem Pathologen histologisch untersucht wurde. Er fertigte hierzu aus den Gewebeproben Präparate an.

 

Der Pathologe diagnostizierte ein infiltrierendes duktales Mammakarzinom, also Brustkrebs. Nach dieser Diagnose ließ die Klägerin eine Magnetresonanztomographie (MRT) anfertigen, die ohne entsprechendes Ergebnis blieb. Eine Chemotherapie kam für die Klägerin nicht in Frage, daher ließ sie sich nach Beratung durch ihre Ärzte operativ beide Brüste entfernen.

 

Ein Jahre später wollte der Frauenarzt wegen Zweifel an der Diagnose Brustkrebs vom Pathologen die Präparate herausverlangen. Dieser weigerte sich, dann behauptete er einen Einbruch in sein Labor. Schließlich scheiterte die Herausgabe der Präparate daran, dass tatsächlich im Labor ein mysteriöser Brand stattfand und der Pathologe die zudem unsachgemäß in Plastiksäcken gelagerten Proben ohne die nötige Befundsicherung entsorgte.

 

Das OLG Hamm sah im Verhalten des Pathologen eine Beweisvereitelung und nahm deswegen zu Gunsten der Klägerin eine Beweislastumkehr an. Während üblicherweise der Patient die Beweislast für das Fehlverhalten des Arztes trägt, musste hier der Arzt beweisen, dass die Gewebeproben richtig beurteilt wurden. Da dies nicht mehr möglich war, hatte die Klage Erfolg. Der Klägerin wurde ein Schmerzensgeld in Höhe von 125.000 EUR zugesprochen.

 

Dogmatisch begründete das Gericht die Beweisumkehr mit der Annahme eines groben Behandlungsfehlers im Hinblick auf die Befundsicherungspflichten eines Arztes. Ein grober Fehler liegt vor, wenn das ärztliche Verhalten eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstößt und einen Fehler darstellt, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich ist, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf (BGH in NJW 1998, 1780).

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